Arbeitsstelle für praktische Biologie


Buch: Ankomme 24. Dezember bei Baum und Strauch - Auszug "Weissdorn"


24- Der Weissdorn

"Besonnenheit und Weisheit fehlen noch!" Fragend blickt die Eule in die Runde. "Wer meldet sich?" Die Bäume blicken einander erwartungsvoll an.

"Mit der Weisheit kann ich mich nicht brüsten", lässt sich da ein unscheinbarer Strauch vernehmen. "Erstens bin ich noch zu jung und zweitens überlasse ich dies besser einem andern von Euch. Einige sind auserwählt. Aber die Besonnenheit - als Vorstufe dazu- die sagen mir die Menschen nach". Die Stimme des Weissdorns wird bestimmter.

"Besonnenheit bedeutet, vor der Tat innezuhalten, zu überlegen und Vor- und Nachteile genau gegeneinander abzuwägen. Einerseits gilt es, ruhig Blut zu bewahren, um objektiv und ohne Emotionen urteilen zu können und zu entscheiden. Andererseits müssen der Antrieb und der Wille zur Tat die auslösenden Kräfte dazu sein. Schaut, viele Menschen sind überaktiv oder träge. Sie kommen nicht zu jenem Bewusstseinszustand, in der sich Anspannung und Entspannung die Waage halten, zu jener, sagen wir einmal, ‘mittleren Motivation’, in der über die wahren Werte des Lebens als Einzelwesen, als Mitmensch, als Teil des göttlichen Plans nachgedacht werden kann. Um die notwendigen Konsequenzen daraus abzuleiten, versteht sich. Dieses Denken und Fühlen, Wollen und Können, die wohlüberlegende, umfassende Besonnenheit kann ich vermitteln. Wie ich das bewirke? Nun, in erster Linie schaffe ich die wesentlichen Voraussetzungen dazu, mittels körperlicher Veränderung: Durch meine nachgewiesenermassen potenten Wirkstoffe in Blüten, Blättern und Früchten, erweitern sich die menschlichen Blutgefässe. Der Blutdruck wird gesenkt, Herz, Arterien und Venen gekräftigt. Die Haupt- und Nebenwirkstoffe, die ursächlich noch nicht völlig erforscht sind, regulieren die Herztätigkeit und den Blutstrom durch die Gefässe. Dadurch wirke ich beruhigend und krampflösend. Der Körper ist in einem gesunden Aktivitätsgleichgewicht. Nervöse, unruhige, überaktive Menschen werden ruhig- träge, teilnahmslose, verkrampfte, neu belebt. Und hier ist die Schnittstelle zu Seele und Geist. Der Körper hat die Voraussetzungen für wohlüberlegtes Handeln geschaffen. Denn, wenn der Mensch sich körperlich wohlfühlt, dann, und erst dann, liegt ihm die Wirksamkeit seines Handelns, seine Zukunft, ganzheitlich am Herzen. Und die kann nun besonnen angepackt werden. Vor allem im zwischen- und paramenschlichen Bereich. Der Mensch kann wieder unvoreingenommen auf den andern zu- und Probleme mit ihm angehen.

Die Esoteriker betrachten mich darüber hinaus als Vermittler zur Geisterwelt, als Schutzschild gegen unliebsame Gäste aus der Astralsphäre, aber auch als Kontaktwesen zur Anrufung der Luftgeister.

In der Volksheilkunde wird Weissdorntee gegen Konzentrationsschwäche, Freudlosigkeit, zur Bekämpfung von Ängsten jeglicher Art eingesetzt. In der Küche schmecken meine Beeren als Mus und Konfitüre. Am besten gemischt mit Äpfeln, Holunder- und Berberitzenbeeren. Das Holz, das am heissesten brennende überhaupt, wird für Werkzeugstiele und Spazierstöcke gebraucht. Früher stellte man damit auch Dreschflegel her.

Mein Geschenk ist eine Konfitüre. Sie soll dem Christkind bei all seinen Entscheidungen dabei sein. Wahrscheinlich ist es kaum nötig, seine Objektivität zu beeinflussen oder gar Voraussetzungen für das Abwägen von Vor- und Nachteilen seines Willensaktes zu schaffen. Aber sicher soll es meine Gabe erquicken und seine Freude am Einsatz für das Leben auf der Erde mit all seinen Erscheinungsformen erhalten."

nächste Seite