Arbeitsstelle für praktische Biologie


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Buch: Ankomme 24. Dezember bei Baum und Strauch - Auszug "Ahorn"


6- Der Ahorn

"Beweglichkeit, Bewegung - alles schön und gut, aber was das Christkind vor allem braucht, das ist erst einmal Ruhe." Bedächtig und fürsorglich meldet sich der Ahorn zu Wort.

"Ausruhen, sich innerlich abkühlen, einen klaren Kopf bekommen, das tut in dieser Situation not. Nach soviel Spannung ist die einzig vernünftige Antwort: Entspannung.

Vielleicht mit einem Schluck von meinem zuckerreichen Saft.

Vielleicht mit einem in der Hand gehaltenen Stück Ahornholz. Das wärmt und beruhigt. Häufig werden nämlich Stiele für Arbeitsgeräte aufgrund dieser Eigenschaften härterem Holz vorgezogen. Vielleicht auch des edlen Charakters wegen. Ahornholz ist Edelholz.

Und dem naturverbundenen Menschen nahe. Denkt an Milchgefässe, Holzschuhe, Schöpfkellen. Denkt an Musikinstrumente, wie Geigen.

Ich bin gerne dem Menschen nah. Ich wärme, ich kühle, ich lebe, ich schwinge mit."

"Einmal kühlst Du, einmal wärmst Du. Lass mich Dich richtig verstehen", bittet die Eule.

"Aber ja doch. Verstehe! Das Gesetz der Natur, wonach von jeder Wahrheit auch das Gegenteil wahr ist, trifft auch bei mir zu. Ich gleiche durch mein Mitfühlen aus. Bei innerer Hitze, bei fiebrigen Erkrankungen, bei geschwollenen Gelenken, entzündeten Augen oder Insektenstichen, bei allen Staus dieser Art leite ich die Wärme ab und entspanne mit Blättern, Rinde und Holz. Oder mit meiner Ganzheit." Sie schaut zur Ulme hinüber.

"Das sanfte Verglühen von Ahornholz über heisser Holzkohle und der dabei entstehende Geruch beruhigen, besänftigen, kühlen die innere Hitzigkeit und Hast. Umgekehrt vermittelt im Winter ein in der Hand gehaltenes Stück meines hellen weiss-gelben Holzes Wärme.

Ich bin des Menschen Freund. Und auch derjenige der Tiere und Mitpflanzen. Mein Laub gilt allgemein als stärkendes Futter für das Vieh. Zu meinen Füssen finden sich wegen der raschen Verrottbarkeit der Blätter und der Zusammenarbeit mit den Bodenlebewesen ideale Bedingungen für einen üppig wuchernden Krautteppich." Diesmal gilt ein kurzer Blick der stolzen Buche.

"Und wo Blumen und Kräuter sind, da stellen sich auch Tiere ein. Tiere, die auch gerne sich an meinen Samen, die ich reichlich verschenke, laben: Eichhörnchen, Kreuzschnäbel, Kernbeisser.... Aber auch Rehe lieben mich. Wahrscheinlich wegen der zuckerhaltigen Rinde und wegen den federnden Stämmchen, an denen sich die Böcke ihren Bast vom frisch gebildeten Geweih fegen."

"Dank Dir, Freund der Lebewesen, Baum des Jupiter, was übergibst Du dem Christkind an seinem Festtag?" fragt eine sichtlich befriedigte Eule.

In seiner gewohnten Ruhe erwidert der Ahorn:" Der zuckersüsse Saft, der in meinen Adern fliesst, soll das Christkind stärken und es an vielen Tagen erquicken. Ich will ihm ein Gefäss davon abfüllen."

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