37_Schmarotzer & Co.

Wie bei den Tieren findet auch im Pflanzenreich ein ausgeprägter Konkurrenzkampf statt. Im Wesentlichen geht es darum, einen günstigen Lebensraum mit der notwendigen Nahrung und gleichzeitiger Sicherung für die Nachkommenschaft zu erobern. Sieht man einmal von Pilzen und Flechten ab, so kann man sagen, dass eine ausreichende Ernährung durch die Ausbildung von Blättern (für die Produktion von Zucker oder Stärke) und Wurzeln (für die Aufnahme von Wasser und Mineralsalzen) gewährleistet ist. Im Verlauf der Evolution waren verschiedene Pflanzen aber wegen des Konkurrenzkampfs "auf normalen Wiesen" gezwungen in weniger günstige, dünn besiedelte Lebensräume auszuweichen. Die Pflanze musste dabei allerdings in der Lage sein, sich die fehlenden lebensnotwendigen Nährstoffe auf anderem Weg zu besorgen. Für manche gab es nur eine Möglichkeit: Andere mit den nötigen Nährstoffen versehene Organismen mussten her – tot oder lebendig, freiwillig oder mit Gewalt.

So finden wir Pflanzen mit Bakterienknöllchen, Pilze, die mit Pflanzen zusammenleben, Parasiten (ohne Gegenleistung) und fleisch- bzw. insektenfressende Pflanzen. Bekannte Beispiele für diese Art der Ernährung sind der Frauenschuh, verschiedene Orchideen, z.B. Knabenkräuter und Ragwurze, der Augentrost, der Klappertopf, die Mistel, die Sommerwurz oder der Sonnentau.

Sehen sie Bohnen und Erbsen mit anderen Augen!

Fast alle Hülsenfrüchtler, zu denen Erbsen, Bohnen, Klee oder Lupinen zählen, pflegen mit Bakterien zusammenzuleben. Durch Wucherungen in der Wurzel, die die Wirtspflanze zur Verfügung stellt, entstehen Wohnraum und Speisekammer für Bakterien zugleich. Aber es gibt nichts umsonst: Die Untermieter haben ihren Preis zu zahlen. Die Wirtszellen beginnen nämlich nach kurzer Zeit, die Mehrzahl der Bakterien zu verdauen, da sie als Ernährungsspezialisten auf den durch die Bakterien verwertbar gemachten Stickstoff angewiesen sind.

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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