39_Wie der Herbst die Farben mischt

Wenn mich jemand in meiner Kindheit gefragt hätte: Was ist für dich magisch an der Natur? – und vorausgesetzt ich hätte mit dem Wort "Magie" etwas anfangen können – so wäre die Antwort wie aus der Pistole geschossen gekommen: Die Farben des Herbstes.

Unspektakulärerweise lässt sich dieses Farbenspiel naturwissenschaftlich recht gut erklären: Bevor das Laub abgeworfen wird, erfolgen Abbau und Rücktransport eines Grossteils der verwertbaren Stoffe ins Innere des Lebewesens.

So entsteht Gelb nach dem Abbau des grünen Farbstoffs Chlorophyll, wenn die schon vorher im Blatt enthaltenen gelben Farbstoffe, wie Karotin oder Xantophyll allein übrigbleiben. Leuchten die Blätter rot, so sind in ihnen noch Zuckerreste enthalten, die mit den sogenannten Flavonen zu dem roten Farbstoff Anthocyan aufgebaut werden. Auch die Farbtöne braun und schwarz können naturwissenschaftlich problemlos erklärt werden.

Gottseidank gibt die Frage nach dem "Warum" doch noch etwas Mystik her. Sicher müssen die Blätter weg, denn sie würden im Winter erfrieren und wären unter der Schneelast eine Gefahr für Bäume und Sträucher. Und aus chemisch –physiologischen Gründen ist der herbstliche Laubfall unerlässlich, da auch ein Blatt alt und verbraucht wird. Schliesslich hat es keine Möglichkeit Stoffwechsel- Endprodukte wie wir, durch eine Niere auszuscheiden.

Aber was nicht erklärt wird: Weshalb diese Farben? Es ist wie wenn die Natur ein letztes Feuerwerk für uns anzünden wollte, um sich dann endgültig in den Winter zu verabschieden.

Lassen sie sich die Farben nicht stehlen!

Geniessen Sie die Farbenpracht. Saugen Sie ihre Wärme tief in sich ein. Nutzen Sie die Blätter für Gestecke, Tischdekorationen und Collagen. Machen Sie Photos und Poster. Malen Sie. Denn – vielleicht brauchen wir diesen Seelenbalsam ja, um uns auf den kahlen Winter einlassen zu können...

Rolf Zingg
www.factorey.ch
                    Zurück zur magischen Übersicht