51_Wie der Christbaum in die Stube fand

Im Symbol des Christbaums, den wir dieser Tage schmücken, sind zwei starke sinnbildliche Elemente im Laufe der Zeit miteinander verschmolzen:

Beim ersten handelt es sich um vorchristliches Brauchtum, das ursprünglich den Zweck hatte, sich für das kommende Jahr die Lebenskraft der immergrünen Bäume und Sträucher zu sichern. Stechpalme, Buchsbaum, Tanne und Fichte schienen sich da geradezu anzubieten. Der Widerstand der Kirche gegen derartigen "Unfug" war allerdings gross. Es dauerte bis ins 18. Jahrhundert hinein, bis der Baum als Symbol der unzerstörbaren Lebenskraft Christi auch in den Kirchen – zunächst in der evangelischen – Heimatrecht erhielt.

Das zweite Element ist das Licht. In der düsteren Winterszeit galten die Lebensspender Feuer und Licht, die auch zur Abwehr finsterer Dämonen dienten, zur Jahreswende als unverzichtbar. Es war deshalb kaum verwunderlich, dass die Kirche im Kerzenkult Aberglauben witterte.

Die christlichen Kirchenführer waren aber Meister darin, unausrottbares heidnisches Brauchtum mit christlichen Ideen zu füllen. Und als man im Licht ein christliches Symbol erkannte ("Christus ist das Licht, das die Dunkelheit durchbricht", "Jesus zündet mit seiner Geburt das Licht des Lebens in Gott an") schmolz allmählich der Widerstand der Glaubenshüter. Die beiden uralten Gottes-, Lebens- und Menschheitssymbole Baum und Licht konnten sich endlich am Christbaum zusammenfinden.

Schmücken Sie den Lichterbaum!

Die Verbreitung des Weihnachtsbaumes ging über die Fürstenhöfe und Bürgerhäuser in Schul- und Wirtshäuser, von da in die Kirchen und schliesslich wurde er auch in die Familienstuben übernommen. Schon bald schmückten vergoldete Äpfel, Glaskugeln, Süssigkeiten und allerlei Flitterwerk den Lichterbaum. Lassen wir unsere Phantasie spielen und bescheren unseren Kindern – und uns selber – dieses Jahr den schönsten Baum aller Zeiten!

Rolf Zingg
www.factorey.ch
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